Risikodiversifikation: Ratgeber für gestreutes Risiko

RisikodiversifikationIm heutigen Ratgeber wollen wir uns eine der Börsengrundregeln etwas genauer anschauen.

Mit Risikodiversifikation können Portfolios ihre Rendite langfristig optimieren und das Verlustrisiko begrenzen.

Aber nicht nur die Regeln der Börse helfen bei der Diversifikation.

Wir schauen auch in andere Unternehmensbereiche und wollen aus deren Regeln für Diversifikation lernen und diese für den Aktienmarkt anwenden. Was ist Diversifizierung?


Was ist Risikodiversifikation?

Denkerpose

Zunächst müssen wir klären, was Diversifizierung überhaupt bedeutet.

Risikodiversifizierung denkenAm besten lässt sich das Wort mit Verteilung oder Streuung übersetzen. Bei der Diversifizierung geht es also darum, das angelegte Geld nicht nur in eine bestimmte Geldanlage zu stecken, sondern in mehrere.

Wir haben an dieser Stelle bewusst den Begriff Geldanlage gewählt, da es unzählige Bereiche gibt, in denen diversifiziert werden kann. Das fängt schon bei der Auswahl des Finanzproduktes an. Beim Kapitalmarkt denken die meisten natürlich an Aktien.

Das ist jedoch nicht die einzige Geldanlagemöglichkeit an der Börse. Investoren können auch in Gold, Silber, Rohstoffe, Anleihen, Kryptowährungen oder andere Finanzderivate investieren. All diese Finanzprodukte haben ihre eigenen Vor – und Nachteile, tragen aber definitiv zur Diversifikation des Portfolios bei.

Auf der Stufe darunter befindet sich die Diversifikation innerhalb einer Anlageklasse. Das bedeutet eben auch, innerhalb der Aktien nicht ausschließlich auf eines oder einige wenige Unternehmen zu setzen.

Tipp: Ratgeber zum Thema “Andere für mich traden lassen?”

Risikodiversifikation Beispiel

Da die Zukunft nicht zuverlässig vorhergesagt werden kann und auch erfolgreiche Unternehmen überraschend Pleite gehen können, ist es durchaus sinnvoll, in viele verschiedene Aktien zu investieren. Diversifikation bedeutet auch, nicht nur auf einzelne Branchen zu setzen.

GlobusViele Menschen sind der Überzeugung, dass Zukunftsbranchen, wie Technologie oder Nachhaltigkeit, die besseren Investments sind und setzen entsprechend vermehrt auf diese. Sollte sich der Lauf der Zeit jedoch ändern und andere Branchen relevanter werden, wäre es besser, wenn der Investor breit gestreut in viele verschiedene Branchen investiert.

Auch die Verteilung der Investitionen auf mehrere Länder ist sinnvoll. Niemand kann vorhersehen, in welchen Ländern in der Zukunft das größte Wachstum stattfinden wird.

Der Lauf der Zeit kann sich völlig entgegen unserer Erwartungen entwickeln. Deshalb ist es wichtig, nicht nur auf einige wenige Länder zu setzen, die heute erfolgreich sind, sondern gleichzeitig auch in kleinere Länder mit größeren Wachstumschancen zu investieren.

Es gibt noch weitere Möglichkeiten der Portfoliodiversifizierung, die aber tendenziell eher der Streuung des Risikos zuzuordnen sind. Welche Möglichkeiten das sind und wie sich die Risikostreuung von der Diversifizierung unterscheidet, schauen wir uns im nächsten Abschnitt an.

Was ist Risikostreuung?

Risikostreuung

Von der Diversifizierung abgegrenzt muss die Risikostreuung betrachtet werden.

Die Risikostreuung ist auch eine Form der Diversifizierung, doch nicht jede Diversifizierung ist auch gleichzeitig eine Risikostreuung.

Der Fachbegriff hierfür lautet Risikodiversifikation. Bei der Risikodiversifikation geht es vor allem darum, die Geldanlagen in Risikokategorien zu unterteilen und entsprechend im Portfolio zu gewichten. Am einfachsten lässt sich das ganze anhand einiger Beispiele beschreiben. In unserer modernen Welt sind wir alle global vernetzt.

Wenn die weltweite Kapitalmarktsituation schlecht ist, betrifft dies meist alle Unternehmen der großen Industrienationen. Investments in Microsoft, Facebook, Apple und Amazon bedeuten zwar Diversifikation, aber keine Risikostreuung. Wenn es an den Kapitalmärkten bergab geht, sind diese Unternehmen vermutlich alle gleichermaßen betroffen. Das gilt aber nicht für alle Unternehmen der Welt. Ein kleines regionales Lebensmittelunternehmen interessiert sich wenig für die Geschehnisse am Weltmarkt.

Während die großen Tech-Giganten also an Wert verlieren, werden diese Unternehmen stabil bleiben und keine Wertverluste einfahren.

Händlerin

Risikostreuung kann am besten über verschiedene Anlageklassen erreicht werden.

In der klassischen Kapitalmarkttheorie geht es dabei vor allem um die Unterscheidung in Unternehmensbeteiligungen und festverzinsliche Wertanlagen. Früher hat man für die Risikostreuung über diese beiden Anlageklassen auf klassische Staats – oder Unternehmensanleihen gesetzt.

Heute haben Investoren weit mehr Möglichkeiten. Eine davon ist zum Beispiel die Investition in P2P Kredite. Dabei leihen Investoren, wie eine klassische Bank, Geld an Privatleute oder Unternehmen und bekommen dafür einen festen Zinssatz, der meist deutlich über dem der heutigen Anleihen liegt.

Weitere Anlageklassen, die weitgehend unabhängig von den Kapitalmärkten laufen, sind Rohstoffe wie Gold, Silber oder Öl und Kryptowährungen. Für risikofreudige Anleger können auch diese zur Diversifikation genutzt werden. Ein weiterer Bereich der Diversifikation ist die Absicherung des Währungsrisikos. Wer in nur eine Währung investiert, kann herbe Verluste erleiden, wenn die Währung abstürzt und die betroffenen Unternehmen auch entsprechend an Wert verlieren.

Was wir für die Risikodiversifikation aus der Wirtschaft lernen können

Ah-MomentSoweit zu den klassischen Diversifikationsmodellen des Kapitalmarktes. Aus der Wirtschaft kennen wir noch mehr Diversifikationsmodelle, von denen auch Aktien Investoren lernen können.

Diese sind nicht immer auf den Kapitalmarkt anwendbar, können aber in einigen Fällen durchaus sinnvoll sein.

1) Horizontale Diversifikation

Bei der horizontalen Diversifikation erweitern Unternehmen ihre Produktpalette um Produkte aus der gleichen Wirtschaftsstufe.

Sie bieten also mehr Produkte aus der gleichen Kategorie an.

Übertragen auf den Aktienmarkt lässt sich daraus eine Streuung innerhalb eines einzelnen Sektors ableiten. Viele Menschen denken bei erneuerbaren Energien vor allem an Solar – und Elektromobilität. Für eine erhöhte Diversifikation macht es jedoch Sinn, sich mit weiteren Bereichen der Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Weitere mögliche Investments sind dabei Wasserstoff oder nachhaltige Nahrungsproduktion. Da nicht zuverlässig vorhergesagt werden kann, welcher dieser Nachhaltigkeitsbereiche wichtig wird, ist es am besten, in allen investiert zu sein.

2) Vertikale Diversifikation

Bei der vertikalen Diversifikation versuchen Unternehmen, sich weniger abhängig von anderen Unternehmen zu machen.

Dies kann in Form einer Unternehmensakquisition stattfinden, wenn ein Unternehmen beispielsweise einen Zulieferer aufkauft. Auch die Gründung eines eigenen Unternehmens, um sich weniger abhängig von anderen zu machen, ist eine Möglichkeit der vertikalen Diversifikation. Diese Strategie lässt sich, leicht abgewandelt, auch auf Kapitalmarktinvestitionen übertragen.

Wenn du in die Automobilbranche investieren willst, denkst du vermutlich zunächst an große Unternehmen wie BMW, VW oder Tesla. Aber wo bekommen diese Unternehmen eigentlich ihre Teile her? Kennst du Continental und Bosch? Diese beiden Unternehmen sorgen dafür, dass Autobauer ihr Endprodukt überhaupt an den Markt bringen können. Sollte ein Unternehmen Pleite gehen, wird der Zulieferer trotzdem weiter die anderen Unternehmen beliefern.

3) Laterale Diversifikation

Bei der lateralen Diversifikation geht es darum, das Produktangebot um völlig branchenfremde Produkte und Dienstleistungen zu erweitern.

Ein großer Konzern kauft kleinere Betriebe auf, die nichts mit ihrer Branche zu tun haben. Laterale Diversifikation wird am Aktienmarkt schon im großen Stil angewandt. Schon seit Jahren empfehlen Anlageberater und Finanzexperten, nicht nur in eine Branche zu investieren, sondern das angelegte Geld möglichst breit und über viele Branchen zu streuen.

Wie viele Aktien sind für die Risikodiversifikation notwendig?

Analyse

An der Anzahl der notwendigen Aktien für eine ausreichende Risikodiversifikation scheiden sich die Geister. Auch die Wissenschaft ist sich hier nicht einig.

Von gerade mal sieben Aktien bis zu über 5000 Titeln sind alle Empfehlungen dabei. Eine generelle Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Die ideale Aktienanzahl zur Risikodiversifikation hängt auch stark vom Investor selbst ab.

Fonds oder Einzelaktien?

GebührenWer in große passive Fonds investiert, die teilweise alleine schon über 1000 Unternehmen abbilden, hat es natürlich wesentlich leichter, extrem breit zu diversifizieren, als ein Einzelaktien Investor.

Aber bist du wirklich breiter diversifiziert, wenn du in einen MSCI World Index investierst, der die 1600 größten Unternehmen aus den 23 Industrienationen abdeckt, als wenn dein Investment aus 10 Einzelaktien aus ganz unterschiedlichen Ländern und Branchen besteht?

In der Finanzmarkttheorie mag das so sein, erfahrungsgemäß hängen diese großen Aktien und ihre Wertentwicklung jedoch deutlich stärker zusammen, als die Wertentwicklungen am Kapitalmarkt der Schwellenländer und Randbranchen.

Eines lässt sich sicher festhalten: Du solltest weder auf einen einzelnen Fonds, noch auf eine einzelne Aktie setzen.

Mathematische Herangehensweise

Eine weitere, zugegebenermaßen ungenaue, Herangehensweise an das Thema Aktienanzahl, ist die Berechnung der maximalen Risikotoleranz.

  • Wieviel Verlust möchtest du maximal einfahren, wenn eines deiner Unternehmen Pleite geht? Wenn du lediglich in fünf Unternehmen investierst und eines davon Pleite geht, verlierst du 20 % deins Kapitals.
  • Bei 20 Unternehmen sind es nur noch fünf Prozent und bei 100 sogar nur ein Prozent. Risikofreudige Anleger haben vermutlich kein Problem damit, wenn ihr Portfolio, von einem auf den anderen Tag, 5 – 10 % an Wert verliert. Für diese Anlegergruppe können 20 – 30 Unternehmen schon ausreichend sein. Bist Du als Anleger dagegen extrem risikoavers, dann gilt grundsätzlich: Je mehr Aktien, desto besser.

Eine allumfassende Antwort auf diese Frage gibt es wie du siehst nicht. Grundsätzlich solltest du beachten, dass die eingangs besprochenen Grundsätze der Streuung beachtet werden. Dies kann sowohl über eine relativ geringe Anzahl an Einzelaktien geschehen, als auch über die breit diversifizierte Geldanlage in mehreren Investmentfonds.

Eine Obergrenze für Aktien im Depot gibt es eigentlich nicht. Wer alle Aktien der Welt hält, bekommt am Ende exakt die Marktrendite heraus. Das ist weder gut noch schlecht, sondern eben durchschnittlich. Da die erwartete Marktrendite immer positiv ist und hinreichend bekannt ist, dass sehr viele Anleger diese Durchschnittsrendite nicht erreichen, ist das eigentlich ein gutes Ergebnis. Die Anzahl der Aktien sollte allerdings soweit begrenzt sein, dass du den Überblick über dein Portfolio behalten kannst. Für Einzelaktien Investoren, die nicht hauptberuflich traden, muss die Positionsanzahl daher so gering sein, dass alle Aktien regelmäßig überprüft werden können. Wer in Fonds investiert hat es einfacher, da er lediglich die Stände dieser überwachen muss und bereits mit einer einstelligen Anzahl an Fonds die ganze Welt hinreichend abdecken kann.

Kurzer Exkurs: Risikodiversifikation beim Daytrading

Daytrader setzen häufig nicht auf Branchen oder andere langfristige Wertentwicklungen, sondern spekulieren auf kurzfristige Trends.

Dabei müssen sie auf viele Möglichkeiten für Risikodiversifikation verzichten. Auch Daytrader können und müssen jedoch diversifizieren. Die meist angewandte Methode dafür ist die ein Prozent Regel.

Kein Daytrader sollte jemals mehr als ein Prozent seines Portfoliowertes auf einen einzelnen Trade setzen.

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Welche Branchen du im Depot halten solltest

Zukunftsbranchen ist eines der großen Themen am Aktienmarkt. Welche Branchen werden auch in Zukunft noch relevant sein und welche nicht

Leider ist das Thema Branchen nicht ganz so einfach abzuarbeiten, denn technisch gesehen kannst du gar nicht in Branchen, sondern lediglich in Unternehmen investieren.

Unternehmen können die Zugehörigkeit ihrer Branche aber schnell wechseln.

Ein kleines Beispiel: Volkswagen ist in der Automobilbranche, die sich definitiv in ihrer jetzigen Form auf dem absteigenden Ast befindet. Schafft Volkswagen es allerdings, im Markt für Elektroautos Fuß zu fassen, würden viele Menschen VW als nachhaltiges Unternehmen bezeichnen, so wie das jetzt auch mit Tesla getan wird. Natürlich solltest du in Unternehmen investieren, die auch in 30 oder 40 Jahren noch existieren und relevant sind. Nur weil ein Unternehmen aber heute noch nicht in einer dieser Branchen tätig ist, bedeutet das nicht, dass dies in Zukunft auch so bleibt. Umgekehrt können auch Unternehmen aus diesen nachhaltigen Branchen vom Markt verschwinden.

Nach dieser kurzen Erklärung möchten wir dir einige Branchen vorstellen, die in der Zukunft definitiv relevant sein werden.

1) Nachhaltige Energiegewinnung

Die Ressourcen an Öl, Gas und anderen Rohstoffen sind endlich. Das ist ein Fakt, der nicht verändert werden kann. In der Zukunft wird nachhaltige Energiegewinnung eine große Rolle spielen. Unternehmen, welche gut in diese Richtung arbeiten oder sich bereits in dieser Branche etabliert, haben eine gute Chance, langfristig am Markt zu überleben.

2) Ernährung

Auch in unserer heutigen Welt gibt es Millionen Menschen, die Hunger leiden. Unternehmen, die es schaffen die Ernährungssituation der Welt durch Innovation zu verbessern, werden in der Zukunft eine große Rolle am Markt spielen. Egal wie die weltweite Situation in Zukunft sein wird: Menschen müssen Essen und trinken. Unternehmen die diese Grundversorgung sicherstellen, werden immer gefragt sein.

3) Technologie

Technologie macht unser Leben einfacher. Das wird sich auch in der Zukunft nicht ändern. Je besser sich die Technologie entwickelt, umso weniger menschliche Arbeit wird benötigt und umso höher wird unser Wohlstand werden. Diese Entwicklung ist schon seit Jahrzehnten zu beobachten und wird sich auch in der Zukunft weiter fortsetzen. An dieser Stelle möchten wir explizit das Thema Klimawandel als Beispiel anführen. Nur mit Verboten und Verhaltensänderungen werden unsere ambitionierten Klimaziele nicht zu erreichen sein. Es braucht technologische Innovation, um das Leben auf unserem Planeten langfristig nachhaltig möglich zu machen.

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