Trading Tagebuch führen: Anleitung mit 4 Schritten

Trading TagebuchUm in der eigenen Trader-Laufbahn voranzukommen, muss man von vergangenen Trades lernen. Nur wer es schafft, sich weiterzuentwickeln, kann nach und nach mehr Trading-Erfolge generieren. Leider ist es so, dass die meisten Einsteiger ihre Trades nicht protokollieren.

Zwar kann man sich vergangene Trades in den meisten Broker-Programmen ansehen, sehr aussagekräftig sind diese Listen aber nicht. Experten empfehlen daher, sich ein Trading Tagebuch anzuschaffen. Im Trading Tagebuch werden alle geschlossenen Positionen protokolliert – mit Datum, Resultat und weiteren Informationen.

Nur mit lückenloser Protokollierung und Analyse der Protokolle ist es effizient möglich, sich als Trader weiterzuentwickeln. Ein Trading Tagebuch scheint daher fast unerlässlich.

In der folgenden Anleitung zeigen wir, was ein Trading Tagebuch im Detail ist, welche Dinge man damit erkennen kann und wieso auch die Psyche eine wichtige Rolle spielt. Außerdem: Schritt-für-Schritt Tutorial fürs eigene Trading Tagebuch.

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Was ist ein Trading Tagebuch?

Trading Tagebuch BeispielAls Trading Tagebuch wird ein Protokoll in schriftlicher oder digitaler Form bezeichnet, in welches alle Handelsbewegungen eingetragen werden.

Viele Menschen denken, Trading wäre einfach: Diszipliniert an einer Strategie festhalten und Gewinne generieren. So leicht ist es nicht.

Vor allem an fehlender Disziplin in Kombination mit überbordenden Emotionen sind schon einige Händler gescheitert.

Wer langfristig erfolgreich sein möchte, braucht nicht nur eiserne Disziplin, sondern auch eine bombenfeste Strategie.

Jeder Händler entwickelt nach und nach seine eigene Strategie. Dabei folgen die meisten dem Trial-and-Error-Prinzip: Neue Taktik probieren, optimieren, nochmals versuchen. Besonders die Tätigkeit des Optimierens sollte hierbei in den Vordergrund rücken.

Trading Tagebuch Strategie

Wer seine Strategien optimieren möchte, muss eine Basis haben, auf der er die Optimierungen durchführen kann. An diesem Punkt kommt das Trading Tagebuch ins Spiel: Es erlaubt es, Handelsbewegungen vergangener Tage im Detail nachzuvollziehen.

Je detaillierter man das eigene Trading Tagebuch führt, desto eher kann man nachvollziehen, wieso man eine Position eröffnet hat, was man damit erreichen wollte und ob das Resultat positiv oder negativ war.

Zusammengefasst ist ein Trading Tagebuch also ein unabdingbares Tool für alle, die ihre Handelsbewegungen nachvollziehen und daraus lernen möchten.

Brauche ich ein Trading Tagebuch?

Trading Tagebuch Foto

Für viele Trader scheint es auf den ersten Blick vielleicht unnötig, ein Tagebuch ihrer Trades zu führen. Schließlich gibt es bei jedem Broker ein Protokoll.

Doch die Protokolle sind meist unübersichtlich und erlauben keine genaue Interpretation der Daten.

Trading Tagebuch erkennenWer nur abchecken möchte, wieviele der letzten 20 Trades profitabel waren, braucht natürlich kein Trading Tagebuch. Wer die Daten aber auswerten will – etwa um zu erfahren, welche Handelsinstrumente am profitabelsten sind oder zu welcher Uhrzeit man die meisten Profite einfährt – kommt jedoch um ein Journal nicht herum.

Außerdem zeigt dir das automatisch generierte Protokoll des Brokers nicht, welche Gedanken du beim Traden hattest oder den Grund, wieso du in eine Position eingestiegen bist. Das kannst du im Nachhinein nur noch mit einem Tagebuch herausfinden.

Ein Tagebuch ist also obligatorisch, wenn man die eigene Strategie überprüfen und weiterentwickeln möchte.

Grundsätzlich empfehlen wir daher jedem Einsteiger, von anfang an ein Tagebuch zu führen. Je schneller man das Tagebuch mit Inhalten füllt, desto eher kann man damit anfangen, eine Strategie zu entwickeln und weitere Taktiken zu probieren.

Was kann man mit einem Trading Tagebuch erkennen?

Tagebuch Example

In ein Handelstagebuch werden verschiedene Informationen zu geschlossenen Positionen eingetragen.

Neben dem Datum wird beispielsweise auch das Resultat, die Strategie, der getradete Basiswert und die aktuellen Gedanken eingetragen. Auch eine Erklärung, anhand welcher Metriken und Indikatoren man eingestiegen ist, sollte dabei sein.

Fazit

Mit einem Trading Tagebuch können im Nachhinein beispielsweise folgende Dinge mithilfe von Analysen erkannt werden:

  • Zu welcher Tageszeit trade ich am profitabelsten?
  • In welchen Handelsinstrumenten erziele ich die meisten Gewinne?
  • Mit welcher Taktik handle ich am erfolgreichsten?
  • Welche Strategie sollte ich verwerfen?
  • Welche Risikomanagement-Tools bringen mir etwas? Setze ich meinen Stop-Loss zu eng oder zu weit?
  • Wieviel Prozent meiner Trades sind profitabel?

Das war nur eine kleiner Auflistung der Dinge, die man aus einem detaillierten Trading Tagebuch herauslesen kann.

Wer beispielsweise erfahren möchte, zu welcher Tageszeit am erfolgreichsten getradet wird, schreibt die verschiedenen Daten am besten in eine Excel-Tabelle. Mit passenden Diagrammen kann sofort erkannt werden, wann profitabel gehandelt wird und wann nicht.

Tipp: Arbeitet man regelmäßig mit einem Trading Tagebuch, um beispielsweise die eigene Strategie zu analysieren, setzt nach und nach auch ein Lerneffekt ein.

Auch die Psyche spielt mit…

CFD Trading PsycheObwohl es einige Menschen gerne wären, sind wir es nicht: Roboter.

Der heutige Mensch besteht noch immer aus Fleisch und Blut. Eine hundertprozentige Objektivität gibt es daher bei niemandem – vor allem dann nicht, wenn Entscheidungen irrational aus dem Bauch getroffen werden.

Bei Bauchentscheidungen reicht es oft, dass man schlecht geschlafen hat oder aus irgendeinem anderen Grund mies drauf ist. Und schon handelt man emotional und generiert Verluste.

Um die Psyche soweit es geht “unter Kontrolle” zu halten, notieren Händler mit Tagebuch auch ihre Gefühle. Neben den technischen Daten wird im Journal also auch vermerkt, welche Emotionen es vor dem Einstieg in eine Position gab. Dafür können auch kleine Smileys oder Abkürzungen wie “A” für Angst oder “U” für Unsicherheit genutzt werden.

Mit genügend Daten im Tagebuch kann auch daraus eine Analyse-Grafik erstellt werden: Bei welchem anfänglichen Bauchgefühl habe ich die profitabelsten Trades generiert? Bei welcher Emotion sollte ich abbrechen? Ist meine Ängstlichkeit ein guter oder schlechter Ratgeber?

Zwar darf man Emotionen nicht unterdrücken, zu viel Wert sollte man ihnen beim Traden dann aber doch nicht zukommen lassen. Eine ausgeklügelte und rationale Strategie ist da besser.

Die Frage nach dem Warum…

WarumWarum verlaufen zurzeit soviele meiner Trades im Sand? Oder umgekehrt: Wieso habe ich gerade jetzt so einen guten Lauf?

Trader ohne Journal erkennen oft nicht, aus welchen Gründen ihre Strategie aktuell über- oder unterdurchschnittlich performt.

Dabei wäre gerade das Erkennen des “Warum” so wichtig, denn sonst tradet man im Blindflug.

Eine Antwort aufs “Warum” bekommt man beispielsweise dann, wenn man im Trading Tagebuch vermerkt hat, welche Änderungen man an der Strategie vorgenommen hat oder zu welcher Tageszeit man welchen Basiswert tradet.

Im technischen, wie auch im emotionalen Bereich kann mit einem Tagebuch nachvollzogen werden, warum welche Entscheidung getroffen wurde und warum man mal mehr und mal weniger Erfolge feiern konnte.


Anleitung: Trading Tagebuch führen

Trading Tagebuch Bild

Im folgenden erklären wir in 4 einfachen Schritten, wie man ein eigenes Journal führen kann.

1. Analoges oder digitales Trading Tagebuch

Die erste Entscheidung muss bei der Frage von Analog oder Digital getroffen werden: Möchte ich ein Tagebuch in analogem Format (beispielsweise ein kleines Büchlein) oder in einem Programm wie Excel?

Beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

Für ein analoges Tagebuch spricht, dass man es bequem neben dem PC offen haben kann und nicht alles auf dem Bildschirm passiert. Man kann auch noch mit Stift und Papier arbeiten.

Für die digitale Variante spricht, dass es leichter zu managen ist und mit Cloud-Technologien überall auf der Welt abrufbar ist. Weiters können mit Programmen wie Excel oder Mac Numbers in wenigen Sekunden Grafiken aus rohen Daten erstellt werden. Bei einem analogen Tagebuch muss alles erst in digitale Form gebracht werden, bevor eine Grafik erstellt wird. Das verbraucht Zeit.

2. Wichtige Daten eintragen

Exel Tabelle

Nachdem man sich für eine Variante entschieden hat, geht’s ans Beschriften der Tabelle.

Welche Daten sind wichtig? Was gehört ins Trading Tagebuch?

  • Datum
  • Nummerierung
    Jede Handelsbewegung sollte nummeriert werden, um den Überblick zu behalten. Also Trade Nummer 1, Nummer 2, etc.
  • Art der Position
    Hat man eine Kaufen- oder Verkaufen-Position eröffnet? In die Tabelle kann dann beispielsweise “Kaufen” oder “Verkaufen”, bzw. “Long” oder “Short” eingetragen werden.
  • Handelsinstrument / Basiswert
    Mit welchem Wert wird gehandelt? In diese Spalte schreibt man die Abkürzung des Werts – beispielsweise DAX für den deutschen Aktienindex oder BTC für Bitcoin.
  • Einstiegs- sowie Ausstiegskurs
    Bei welchem Kurs bin ich in die Position eingestiegen und wann ausgestiegen? Hier wird der genaue Preis eingetragen.
  • Stop-Loss
    Wo wurde beim Einstieg in die Position der Anfangs-Stop-Loss gesetzt?
    Der Stop-Loss schließt eine Position automatisch, wenn der Preis auf einen vorher definierten Wert fällt. Mehr Infos hier.
  • Screenshot
    Bei der digitalen Variante des Trading Tagebuchs kann ein Link zu einem Screenshot vom Chart angehängt werden. So kann man im Nachhinein auch in grafischer Form sehen, wie der Kurs ausgesehen hat und wann man ein- bzw. ausgestiegen ist.
  • Gefühle
    Eine Spalte sollte für die beim Trade verspürte Emotion genutzt werden. Profis nutzen Abkürzungen, um ihre Emotionen in einige vordefinierte Kategorien einzugliedern. Beispielsweise “A” für ängstliche Emotionen oder “H” für Hoffnung.
  • Gedanken
    Welche Gedanken hatte man beim Einstieg in die Position? Wollte man eine bestimmte Strategie verfolgen? 5-10 Wörter mit der Erklärung sollten an jeden Eintrag angehängt werden

3. Checkliste erstellen

Nachdem man eine Zeit lang mit dem Trading Tagebuch gearbeitet hat, sollten sich einige Daten angesammelt haben.

Dann ist es möglich, herauszuarbeiten, welche Faktoren zu einem positiven Handelsausgang geführt haben.

Aus diesen Faktoren kann dann eine Checkliste erstellt werden, die für den zukünftigen Handel genutzt wird.

Die Checkliste kann verschiedene Punkte beinhalten, die vor jedem Trade imaginär abgehakt werden. Ist eine Bedingung nicht erfüllt, lässt man es sein – und vermeidet so vielleicht einen großen Verlust.

Beispiel: Zeigt der Moving Average einen Ausbruch? Deutet der Stochastik-Indikator auch darauf hin? Bin ich emotional beruhigt oder aufgewühlt? Spricht meine Strategie für den Einstieg in die Position?

4. Analyse mit Grafiken

Zwischendurch können die im Tagebuch aufgezeichneten Trades auch für Analysen der eigenen Strategie genutzt werden.

Datenverarbeitungsprogramme wie Excel oder Mac Numbers erlauben eine unkomplizierte Darstellung mit statistischen Grafiken.

Zu den einfachen Darstellungsformen zählt beispielsweise das Tortendiagramm, mit dem man zB. anzeigen kann, mit welchem Handelsinstrument man die meisten Profite eingefahren hat. Auch die profitabelste Uhrzeit oder die “gefährlichste” Emotion (für verlustreiche Trades) kann so eruiert werden.


Fazit: Trading Tagebuch

Ein Trading Tagebuch ist für jeden Trader – egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener – ein unentbehrliches Tool für die Weiterentwicklung der eigenen Strategie.

Um ein gutes und übersichtliches Journal zu erstellen, sollten die wichtigsten Daten mit Emotionen und Gedanken jeder Position niedergeschrieben und in tabellarischer Form geordnet werden. Es ist nicht unbedingt kompliziert, ein Tagebuch zu kreieren. Vielen fällt es jedoch wegen der eigenen Bequemlichkeit schwer, jeden getätigten Handel einzutragen.

Genau das sollte man jedoch tun, um dann eine verlässliche Datenbasis zu haben, anhand welcher man sich orientieren kann.

Das Tagebuch sollte regelmäßig analysiert und grafisch aufgearbeitet werden, um zu sehen, wo Optimierungsbedarf besteht.

Ein wichtiger Punkt dabei ist außerdem, dass Muster im eigenen Handelsverhalten erkannt und zu den eigenen Gunsten genutzt werden. Bemerkt man etwa, dass man vor allem morgens zwischen 9 und 10 Uhr die meisten profitablen Trades durchführt, kann man sich in Zukunft noch mehr auf diesen Zeitraum konzentrieren.

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