Warum gehen Firmen an die Börse?

Warum gehen Firmen an die Börse?Bestimmt hast du auch schon mal etwas von der Börse gehört. Sie wird täglich in den Nachrichten erwähnt und ihr Verlauf spielt eine große Rolle für das internationale Wirtschaftsleben.

  • Aber warum gibt es die Börse überhaupt?
  • Und warum macht es für Unternehmen Sinn, an die Börse zu gehen?
  • Warum gehen Firmen an die Börse?

In diesem Artikel zeigen wir dir, wie das System Börse funktioniert und erläutern die Vor- und Nachteile für Unternehmen bei einem Börsengang.


Was sind Aktien?

Bevor wir mit der Börse beginnen, müssen wir zunächst sicherstellen, dass du weißt was eine Aktie ist.

AktieAktien sind das Hauptinstrument, welches an der Börse gehandelt wird.

Wie kauft man Aktien?

Bei einer Aktie handelt es sich um einen verbrieften Besitzschein, der dem Besitzer der Aktie einen Anteil am Unternehmen schriftlich bestätigt.

Wenn du eine Aktie besitzt, bist du quasi Teilhaber des Unternehmens, welches die Aktie ausgegeben hat.

Nach dem Erwerb der Aktie stehen dir einige Rechte in Zusammenhang mit dem Unternehmen zu. Auf der jährlichen Hauptversammlung hast du ein Stimmrecht. Du kannst also bei wichtigen Entscheidungen, wie der Besetzung der Vorstandsposten, mit deiner Stimme den Ausgang beeinflussen.

Außerdem hast du ein Recht auf eine Dividendenauszahlung – falls es diese gibt – und partizipierst natürlich an den Kursgewinnen, welche das Unternehmen erzielt.

Was ist die Börse?

Um in das Thema einzusteigen, möchten wir zunächst erläutern, was man überhaupt unter einer Börse versteht.

boerseDie Börse ist eine Art Handelsplatz, auf dem Aktien, Anleihen und weitere Finanzprodukte gehandelt werden können.

Bis vor wenigen Jahrzehnten hatte die Börse etwas von einem Basar. Börsenmakler liefen schreiend durch die Gänge und versuchten, Aktien zu verkaufen.

Heutzutage ist das ganze natürlich weitestgehend digitalisiert und findet über Algorithmen und Computersysteme statt. Echte Börsenmakler gibt es kaum noch. Das Ziel der Börse ist letztendlich, dass Unternehmensanteile oder Anleihen ihren Besitzer wechseln und für diesen Tauschhandel der richtige Preis gefunden wird.

Wieso gehen Firmen an die Börse?

Warum gehen Firmen an die Börse – Illustration Firmenchef

Nachdem wir jetzt ein wenig über die Perspektive der Investoren auf die Börse gelernt haben, möchten wir nun klären, warum Firmen an die Börse gehen.

Für die Firmenbesitzer klingt die Grundidee des Börsengangs und der Ausgabe von Aktien zunächst nämlich gar nicht so attraktiv.

Sie müssen den Wert der Firma in Aktien umwandeln und diese dann quasi an der Börse verkaufen, sofern sie die Anteile am Unternehmen nicht selbst behalten wollen.

Firmen gehen aus ganz unterschiedlichen Gründen an die Börse.

Warum gehen Firmen an die Börse? Diese Gründe schauen wir uns im Folgenden etwas genauer an.

1. Kapital

Am häufigsten werden Börsengänge mit dem Einsammeln von frischem Kapital begründet.

Warum gehen Firmen an die Börse – Illustration KapitalWenn ein Unternehmen expandieren möchte, nimmt es zu Beginn normalerweise einen Kredit bei einer Bank auf und zahlt Zinsen auf die aufgenommene Summe.

Dafür bleibt das Unternehmen vollständig im Besitz der bisherigen Eigentümer.

Ab einer gewissen Größe und Relevanz macht der Börsengang jedoch mehr Sinn, um frisches Kapital einzusammeln. Anstatt Geld zu leihen, werden Teile der Firma in Form von Aktien verkauft und das eingenommene Geld wird in die Produktion, ins Marketing oder in die Forschung investiert.

Im Gegensatz zur Kapitalleihe bei einer Bank muss das Unternehmen nicht unmittelbar begründen, wofür das Kapital eingesetzt wird und in den meisten Fällen ermöglicht der Börsengang dem Unternehmen, deutlich mehr Geld einzusammeln.

2. Bekanntheit

Warum gehen Firmen an die Börse – Illustration Bekanntheit

Börsengänge oder Initial Public Offerings (IPO), wie es in der Fachsprache heißt, sorgen häufig für Schlagzeilen in der Wirtschaftspresse.

Bei Anlegern besteht großes Interesse, da hohe Renditechancen gewittert werden – und niemand möchte den Börsengang des möglicherweise nächsten “Unicorns” verpassen.

Die Aufmerksamkeit, die ein Börsengang erzeugt, kann von Unternehmen auch als Marketing Tool verwendet werden.

Wer häufig in der Presse ist, bekommt mehr Aufmerksamkeit für seine Produkte und kann möglicherweise dadurch seinen Umsatz erhöhen.

3. Förderung

Warum gehen Firmen an die Börse – Illustration Staat

Auch wenn Förderung grundsätzlich unter den Punkt Bekanntheit fällt, spielt sie insbesondere in Bereichen des öffentlichen Interesses, wie Gesundheit oder Sicherheit, eine große Rolle.

Durch die wachsende Bekanntheit haben Unternehmen aus diesen Branchen bessere Chancen darauf, Forschungsgelder und Fördermittel für ihre Arbeit einzusammeln.

Das beste Beispiel hierfür ist das Unternehmen Biontech, das riesige Summen an Steuermitteln und anderen Fördergeldern für die Forschung an seinen neuen Impfstoffen erhalten hat.

Wann gehen Firmen an die Börse?

CFD Handelszeiten Animation

Vorneweg sei gesagt: Es gibt keinen festen bestimmten Zeitraum, an dem ein Unternehmen an die Börse gehen kann.

Grundsätzlich kann sich jedes Unternehmen, welches die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt, sofort dafür entscheiden, einen Börsengang zu wagen.

Viele Firmen aus der Tech-Branche, wie Facebook oder Snapchat, zählten schon lange zu den börsennotierten Unternehmen – noch bevor sie ihre ersten Gewinnjahre vorweisen konnten.

Im Folgenden schauen wir uns einige Argumente für den richtigen Zeitpunkt an.

1. Forschung muss finanziert werden

Je nach Branche spielt die Forschung und Entwicklung von neuen Technologien eine übergeordnete Rolle für den Unternehmenserfolg.

Es gibt Unternehmen, die über mehrere Jahre kaum Umsätze – geschweige denn Gewinne erzielen, weil sie an einer Technologie forschen und diese weiterentwickeln.

Sie hoffen darauf, mit dem Endprodukt den großen Durchbruch zu schaffen.

Um die Forschungskosten zu finanzieren, könnte das Unternehmen natürlich auch einen Kredit bei einer Bank aufnehmen. Das Problem: Die Kosten für einen Kredit müssen in Form von Zinszahlungen sofort abgeleistet werden und laufen unabhängig vom Forschungserfolg weiter. Das kann im Zweifel dazu führen, dass das Unternehmen seine Zinslast nicht mehr stemmen kann und das Projekt aufgeben muss.

Bei einem Börsengang kann in der Regel nicht nur mehr Kapital eingesammelt werden, sondern es entstehen auch keine laufenden Kosten, die das Projekt bedrohen könnten.

Weiterhin können nach einem Börsengang immer wieder Aktien ausgegeben werden, um frisches Kapital einzusammeln, falls es benötigt wird.

2. Gewinne sind erst in der Zukunft geplant

Unternehmen, die eine aggressive Expansionspolitik betreiben und in den nächsten Jahren planen weiter zu wachsen, müssen möglicherweise auf Unternehmensgewinne verzichten.

Die erzielten Umsätze werden zunächst reinvestiert.

Um das leisten zu können, müssen natürlich auch externe Kosten, wie beispielsweise die Zinskosten eines Kredites, möglichst vermieden werden.

Auch hier ist der Börsengang eine elegante Lösung, um trotzdem Geld für die weitere Unternehmensexpansion einzusammeln.

3. Großes öffentliches Interesse

Große und erfolgreiche Unternehmen, die bisher noch nicht an der Börse gelistet sind, könnten sich auch aus strategischen Gründen für ein IPO entscheiden.

Einige Firmen sind sehr bekannt und beliebt – und viele Menschen würden gerne investieren, können aber nicht, da das Unternehmen nicht börsengelistet ist.

Wenn dieser Umstand bekannt ist, kann es zur Steigerung des Unternehmenswertes oder zur Kapitalansammlung sinnvoll sein, an die Börse zu gehen – obwohl kein unmittelbarer Kapitalbedarf besteht.

Warum sich Unternehmen gegen den Börsengang entscheiden

Der Börsengang ist nicht für jedes Unternehmen sinnvoll.

Einige Firmen entscheiden sich ganz bewusst gegen ein IPO, obwohl sie die Zulassungsvoraussetzungen für eine Börsennotierung erfüllt haben.

Im Folgenden schauen wir uns einige der Gründe an, die Unternehmen anführen, wenn sie sich gegen einen Börsengang entscheiden.

1. Unternehmensentscheidungen sollen in der Hand der Besitzer bleiben

Insbesondere bei mittelständischen Familienbetrieben ist der Hauptgrund für den Verzicht auf einen Börsengang, dass das Unternehmen im Besitz der Familie bleiben soll und alle strategischen Entscheidungen mit den Unternehmenswerten übereinstimmen sollen.

Bei einem Börsengang werden Stimmrechte an Aktionäre vergeben, die möglicherweise keine emotionale Beziehung oder Bindung zum Unternehmen und seinen Werten hat.

Insbesondere diese mittelständischen Unternehmen sind häufig bereits sehr lange im Geschäft und haben gar kein Interesse an weiterem Wachstum und keinen Eigenkapitalbedarf.

2. Rechtliche Hürden sind zu hoch

Einige Unternehmen möchten sich schlichtweg nicht den Regularien für Aktiengesellschaften unterwerfen.

Da börsennotierte Unternehmen für Investoren öffentlich zugänglich sind, müssen sie die Buchhaltungssysteme und Transparenzkriterien an diese Verantwortung anpassen.

Die Kosten und der Aufwand, welche ein solches Verfahren mit sich bringt, werden häufig unterschätzt.

Wenn das Unternehmen keinen unmittelbaren Kapitalbedarf hat, verzichtet es daher auf den Börsengang und fokussiert sich auf das Kerngeschäft.

Welche Vorteile hat ein Unternehmen durch einen Börsengang?

Wir haben bereits viel über die Umstände und Anforderungen an einen Börsengang gesprochen.

In diesem Abschnitt möchten wir dir kurz und knapp zusammenfassen, welche Vorteile ein Börsengang den Unternehmen bietet.

1. Eigenkapital

Der Börsengang und das Einsammeln von frischem Eigenkapital macht Unternehmen unabhängiger von externen Investoren und Banken, was sich positiv auf die Unternehmensentscheidungen auswirken kann.

Firmen mit einer höheren Eigenkapitalquote haben mehr Freiheiten in der Gestaltung und können langfristiger planen.

Grundsätzlich werden Unternehmen mit viel Eigenkapital als stabiler und erfolgsversprechender angesehen.

2. Publicity

Börsengänge werden häufig von Medien und der Presse begleitet. Diese öffentliche Aufmerksamkeit können Unternehmen nutzen, um Eigenwerbung zu betreiben und das Geschäft anzukurbeln.

Welche Nachteile hat ein Unternehmen durch einen Börsengang?

Ein IPO bietet nicht nur Vorteile.

Aktiengesellschaften müssen zusätzliche Regeln beachten und Pflichten erfüllen.

Welche Nachteile dadurch entstehen, schauen wir uns im Folgenden an.

1. Aktionäre erhalten Mitspracherecht

Grundlegende Unternehmensentscheidungen werden nicht mehr einfach so vom Vorstand festgelegt, sondern müssen bei der Jahreshauptversammlung von den Aktionären abgesegnet werden.

Diese Vorschrift macht Aktiengesellschaften langsamer und unflexibler.

2. Vorschriften zu Buchhaltung und Finanzierung

Eine Aktiengesellschaft muss aus Transparenzgründen zusätzliche Anforderungen an die eigene Buchhaltung erfüllen und die Bilanz durch unabhängige Wirtschaftsprüfer bestätigen lassen.

Das geht mit einem erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand einher.

3. Risiko der feindlichen Übernahme

Firmen an der Börse können in ungünstigen Konstellationen von einer feindlichen Übernahme betroffen sein.

Das bedeutet, dass ein anderer Investor große Teile der Aktien aufkauft und mit den erworbenen Stimmrechten erheblichen Einfluss auf die Unternehmensführung nimmt.

In der Vergangenheit gab es einige spektakuläre Beispiele für solche Übernahmeversuche – wie beispielsweise im Jahr 2009 bei Volkswagen.

Einen empfehlenswerten Artikel zum fehlgeschlagenen Porsche-VW-Coup gibt es bei DW.com.

4. Großaktionäre können Unternehmensentscheidungen blockieren

Wenn ein einzelner Investor einen großen Anteil der ausgegebenen Aktien hält, können sogenannte Sperrminoritäten entstehen.

Dadurch kann der Investor Unternehmensentscheidungen blockieren und die Firma handlungsunfähig machen.

Eine solche Konstellation gibt es bei Volkswagen mit dem Land Niedersachsen als Großaktionär.

Was kostet eine neue Aktie?

Value Investing Animation

Normalerweise wird der Börsenpreis für eine Aktie über Angebot und Nachfrage gebildet.

Da es dieses System bei einem IPO noch nicht gibt, muss für das erste Angebot eine andere Form der Preisfindung gewählt werden.

Dazu gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Möglichkeiten.

1. Festpreisverfahren

Beim Festpreisverfahren errechnen die ausgebende Bank und das Unternehmen, aufgrund von aktuellen Trends am Aktienmarkt, der Geschäftslage und den Zukunftsaussichten des Unternehmens, einen fairen Preis für ein Erstangebot.

Die große Kunst liegt darin, eine Balance zwischen den Interessen des Unternehmens und den Interessen der Anleger zu finden.

Das Unternehmen möchte einen möglichst hohen Preis für das IPO erzielen, um die Kapitalbeschaffung zu optimieren.

Der Preis darf allerdings auch nicht zu hoch sein, da er sonst potenzielle Investoren vertreiben würde und das Risiko für einen Kurseinbruch direkt am Anfang relativ hoch wäre.

Ein Kurseinbruch zu Beginn schadet dem Image des Unternehmens bei Investoren und kann langfristige Folgen für das Vertrauen in die Aktiengesellschaft haben.

2. Bookbuildingverfahren

In Deutschland ist das sogenannte Bookbuildingverfahren noch relativ neu, international ist es allerdings schon lange gängig und erfreut sich großer Beliebtheit.

Das Bookbuildingverfahren ist mit einem größeren Aufwand verbunden, da die Bank zunächst mit potentiellen Großinvestoren sprechen muss, um sich über deren Preisvorstellungen zu informieren.

Im zweiten Schritt werden auch institutionelle Investoren angesprochen, um das Unternehmen dort zu präsentieren.

Auf Basis der in diesem zwei Schritten gesammelten Informationen wird vor dem Börsengang ein öffentlich einsehbarer Preisvorschlag gemacht.

Anleger können nun Interesse bekunden und die Nachfrage bestimmt den letztendlichen Ausgabepreis der Aktien.

Wie kannst du als Privatanleger Aktien kaufen und verkaufen?

Der Aktienmarkt ist relativ streng reguliert und du kannst natürlich nicht einfach zu einer Börse gehen und dort Aktien nach Belieben kaufen.

Traderin AnimationDen Zugang zum Kapitalmarkt ermöglicht dir ein sogenannter Broker.

Diesem kannst du deine Orderaufträge übermitteln und er kauft für dich deine gewünschten Aktien.

Empfehlenswerter Beitrag zum Thema: Wie kauft man Aktien?

Mittlerweile bietet fast jede größere Bank einen solchen Brokerservice an und ermöglicht dir damit den Handel an der Börse. Der Broker verwahrt außerdem dein Geld und kümmert sich auch um alles Weitere, was rund um das Depot anfällt.

Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Online Broker, die den Aktienhandel weiter vereinfachen und dich von deinem Handy oder Tablet aus über eine App handeln lassen.

CFD.guide-Hinweis: Viele Menschen interessieren sich auch für das sogenannte Social Trading, bei dem man die Portfolios anderer Nutzer kopieren kann.

Fazit: Warum gehen Firmen an die Börse?

Ob ein Unternehmen an die Börse gehen sollte, kann nicht pauschal beurteilt werden, da viele Faktoren in die Entscheidung einspielen.

Wenn ein Betrieb sich unabhängig von externen Geldgebern wie Banken machen und auf Kapitalkosten verzichten möchte, eignet sich der Gang an die Börse als Mittel der Geldbeschaffung.

Auch der Publicity Effekt, den ein Börsengang mit sich bringt, sollte nicht unterschätzt werden.

Vor dem Börsengang muss den Unternehmen allerdings bewusst sein, dass mit dem Börsendebüt auch einige Verpflichtungen auf sie zukommen.

Die Ansprüche und Kosten für Bilanzierung, Buchhaltung und Wirtschaftsprüfung steigen extrem.

Wenn ein Unternehmen nicht mehr in der Hand eines Besitzers ist, können externe Investoren in ungünstigen Fällen Einfluss auf die Unternehmensleitung oder die grundlegende Richtung des Betriebs nehmen.

All diese Faktoren müssen bei der Entscheidung für oder gegen einen Börsengang berücksichtigt werden.

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