Kurs-Umsatz-Verhältnis: Alle Infos zum KUV

Kurs-Umsatz-VerhältnisFür Unternehmen an der Börse gibt es schier unendlich viele Daten und Bewertungsmethoden, welche dir dabei helfen können, ein gutes Unternehmen auszuwählen.

In diesem Artikel möchten wir uns detailliert mit dem Kurs-Umsatz-Verhältnis beschäftigen.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis oder KUV ist eine der beliebtesten Bewertungsmethoden am Aktienmarkt.

  • Wir schauen uns an, welche Vor- und Nachteile diese Methode bietet, für wen sie geeignet ist und vergleichen, wie sie im Verhältnis zu anderen beliebten Bewertungsmethoden steht.
  • Bevor wir damit beginnen, müssen wir jedoch zunächst klären, was das KUV überhaupt beschreibt.

Was ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis?

Wie der Name es bereits vermuten lässt, beschreibt das KUV das Verhältnis des Kurses einer einzelnen Aktie zum erzielten Umsatz des zugrundeliegenden Unternehmens.

boerse

Der Kurs der Aktie bildet sich dabei aus dem Angebot und der Nachfrage. Besitzer der Aktie, welche diese verkaufen möchten, bieten die Aktie zum aktuellen Börsenpreis an und potenzielle Käufer nehmen sie ab.

Gibt es zu viele Verkäufer, sinkt der Preis automatisch ab, um die Aktie für potenzielle Käufer attraktiver zu machen. Wenn es mehr kaufwillige Investoren gibt als Verkäufer, steigt der Preis so lange, bis das Verhältnis wieder ausgeglichen ist.

Der Umsatz eines Unternehmens bezieht sich in der Regel auf das komplette Geschäftsjahr (oder ein Quartal) und beschreibt alle Zahlungseingänge, die durch den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen erzielt werden konnten.

Diese Definition ist extrem wichtig, da sie das KUV von anderen Bewertungsmethoden abgrenzt, die wir uns später noch im Detail anschauen.

Wie wird das Kurs-Umsatz-Verhältnis berechnet?

Denkerpose

Um das KUV berechnen zu können, brauchen wir einige grundlegende Zahlen und Daten des Unternehmens.

Im ersten Schritt betrachten wir dafür die Marktkapitalisierung.

Die Marktkapitalisierung beschreibt den Gesamtwert der existierenden Aktien eines Unternehmens.

Zur Berechnung wird der aktuelle Kurswert pro Stück mit der Anzahl der vorhandenen Aktien multipliziert. Die ermittelte Marktkapitalisierung wird dann durch den Umsatz des vergangenen Geschäftsjahres geteilt.

Um das ganze etwas greifbarer zu machen, möchten wir uns das Ganze an einem, an Apple angelehnten, Zahlenbeispiel verdeutlichen.

appleDie Zahlen stimmen dabei nicht exakt, da sie sich schnell und häufig ändern.

  • Apple hat derzeit einen Kurswert von etwa 110 Dollar pro Aktie und ungefähr 18 Milliarden Stück im Umlauf.
  • Ja, das bedeutet, dass im Schnitt jeder Mensch mehr als zwei Apple Aktien besitzt.
  • Multipliziert man diese beiden Werte, kommt man auf eine Marktkapitalisierung von 1,98 Billionen US Dollar.
  • Wie bereits gesagt schwanken diese Werte.
  • Zu seiner Bestzeit war Apple sogar mit deutlich mehr als 2 Billionen US Dollar – das sind 2.000.000 Millionen Dollar – kapitalisiert.
  • Wenn wir die Marktkapitalisierung jetzt noch ins Verhältnis zum Umsatz des vorangegangenen Jahres (knapp 275 Milliarden US-Dollar) setzen, erhalten wir das Kurs-Umsatz-Verhältnis, welches aktuell etwa den Wert 7,2 hat.

Mit dieser Zahl alleine kannst du jetzt vermutlich noch nicht viel anfangen. Wir werden im nächsten Abschnitt noch genauer auf die Interpretation der Zahl eingehen.

Wie wird das Kurs-Umsatz-Verhältnis interpretiert?

Zunächst müssen wir klarstellen, dass das KUV nur eine von vielen Bewertungsmöglichkeiten von Aktienunternehmen darstellt.

InterpretationWenn du das KUV interpretierst musst du daher immer im Hinterkopf behalten, dass es noch deutlich mehr Kennzahlen gibt, die ebenfalls wichtig sind und du dich nicht einfach nur auf diese eine Zahl verlassen kannst.

Grundsätzlich gilt: Je geringer das KUV, umso günstiger kaufst du die Aktie effektiv ein.

Das ist logisch, da der Kurswert eine bedeutende Rolle in der Ermittlung des KUV spielt und auch hier die grundsätzliche Empfehlung lautet, möglichst günstig einzukaufen.

Das KUV eines Unternehmens kann auch nie absolut bewertet werden, sondern muss immer in Relation zu den KUV anderer Unternehmen aus der gleichen Branche oder einem ähnlichen Marktfeld gesetzt werden.

Wenn alle Unternehmen ein KUV von zehn oder mehr haben, ist eine Gesellschaft mit einem KUV von acht natürlich relativ günstig.

Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass ein Unternehmen mit einem KUV kleiner eins als günstig betrachtet wird und Unternehmen, mit einem KUV von 1,5 oder höher, teuer sind.

Apple mit seinem KUV von 7,2 ist hier also relativ eindeutig in die teure Kategorie einzuordnen. Da die Marktpreise generell von Angebot und Nachfrage bestimmt werden, sind solche allgemeinen Aussagen aus technischer Sicht zwar richtig, müssen jedoch in einen größeren Marktkontext gesetzt werden.

Je irrationaler sich Anleger derzeit verhalten und von den gängigen Bewertungsmethoden der Unternehmen abweichen, umso weniger Aussagekraft haben eben diese Methoden.

Vorteile des Kurs-Umsatz-Verhältnisses

Wie bereits erwähnt, gibt es viele Methoden, um die Unternehmen an der Börse auf Basis ihrer Kennzahlen zu bewerten.

sicherIn diesem Abschnitt schauen wir uns an, was das KUV leisten kann.

  • Das KUV gilt als eine besonders stabile und aussagekräftige Zahl, da der Umsatz eines Unternehmens nicht buchhalterisch verändert oder strategisch verringert werden kann.
  • Der Umsatz ist eine absolute Zahl, welche die Einnahmen des betreffenden Unternehmens relativ gut darstellen kann.
  • Insbesondere für junge Unternehmen, die aktuell in einer Wachstumsphase sind und die erzielten Umsätze in Marketing, Forschung oder PR-Arbeit investieren, eignet sich das KUV und hat einen deutlichen Vorteil gegenüber anderen Bewertungsmethoden.
  • Wenn ein Unternehmen einen großen Teil des Umsatzes reinvestiert, verringert sich der erzielte Gewinn, obwohl die tatsächliche Leistung und Produktivität der Firma sich nicht verändert hat
  • Für diese Unternehmen bietet das KUV möglicherweise die beste Bewertungsgrundlage.

Nachteile des Kurs-Umsatz-Verhältnisses

Wie alle einzelnen Bewertungsmethoden, zeichnet auch das KUV nur einen Ausschnitt der Realität.

NachteileDas Betrachten des Umsatzes hat, wie im vorherigen Abschnitt erwähnt, einige Vorteile, kann in manchen Situationen aber auch irreführend sein.

  • Das ist besonders dann der Fall, wenn ein Unternehmen betrachtet wird, das sich aktuell in der Startphase befindet oder seinen Fokus derzeit auf Expansion in andere Länder legt.
  • In Jahren des geografischen Wachstums und in der Startphase ist ein möglichst hoher Umsatz nicht zwangsläufig das primäre Ziel eines Unternehmens.
  • Sie fokussieren ihre Energie eher auf die Eröffnung neuer Standorte, die Erforschung neuer Produkte und Methoden und setzen darauf, den entgangenen Umsatz in den nächsten Jahren nachzuholen.

Zur Bewertung von Gesellschaften mit dieser Unternehmenspolitik ist das KUV definitiv nicht geeignet.

Der größte Nachteil des KUV besteht darin, dass es die Rentabilität einer Firma nicht bewerten kann.

Insbesondere Unternehmen mit sehr geringen Gewinnmargen können gigantische Umsätze erzielen und dabei trotzdem über Jahre keine Gewinne oder sogar Verluste einfahren.

Da die Ausgaben und der bilanzielle Gewinn eines Unternehmens im KUV nicht beachtet werden, kannst du als Anleger hier schnell in eine Falle tappen.

Wann wird das Kurs-Umsatz-Verhältnis angewandt?

In den vorherigen Abschnitten haben wir gelernt, dass das Kurs-Umsatz-Verhältnis differenziert betrachtet werden muss und in einigen Situationen ein geeigneteres Bewertungskriterium ist als in anderen.

  • Generell solltest du das KUV niemals als einzige Kennzahl zur Bewertung eines Unternehmens heranziehen.
  • Für eine hohe Aussagekraft muss es immer ins Verhältnis zu anderen Unternehmen und vor allem zu anderen Kennzahlen des bewerteten Unternehmens gesetzt werden.
  • Bei Startups oder sehr jungen Unternehmen, die noch frisch an der Börse sind, hat das KUV keine besonders große Aussagekraft.
  • Du solltest das KUV vor allem zur Bewertung bewährter und etablierter Unternehmen heranziehen.

Es ist wichtig, dass du dir möglichst viel Hintergrundwissen zum derzeitigen Marktkontext des bewerteten Unternehmens aneignest.

Wenn die Vorstände angeben, dass aktuell eine Expansionspolitik betrieben wird oder dass große Forschungsprojekte für zukünftige Produkte anstehen – die Impfstoffentwicklung der Pharmaunternehmen ist ein sehr gutes aktuelles Beispiel für eine solche Situation – solltest du dem KUV keinen zu großen Wert beimessen.

Insbesondere bei sehr hohen oder sehr niedrigen KUV solltest du immer skeptisch sein und weitere Bewertungsmethoden heranziehen.

Ein sehr hohes KUV kann auf der einen Seite bedeuten, dass Anleger, trotz derzeit schlechter Zahlen, eine hohe Gewinnerwartung an die Zukunft haben. Auf der anderen Seite kann es aber auch bedeuten, dass das Unternehmen extrem gut wirtschaftet und hohe Gewinnmargen aufweist.

Für welche Anleger ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis geeignet?

Nicht für jede Anlagestrategie stellt das KUV eine relevante Bewertungsmethode dar. Es versteht sich von selbst, dass nur aktive Anleger, welche ihre Unternehmen selbst auswählen und nicht auf passive Strategien, wie ETF oder gemanagte Fonds zurückgreifen, das KUV überhaupt benötigen.

Wie wir bereits erwähnt haben, eignet sich das KUV besonders gut zur Bewertung bereits etablierter Unternehmen.

Entsprechend profitieren natürlich auch Anlagestrategien, die überwiegend auf solche Unternehmen setzen, mehr vom Einsatz des KUV.

  • Das beste Beispiel hierfür ist die Dividendenstrategie. Bei der Dividendenstrategie wird hauptsächlich in Unternehmen investiert, die schon seit langer Zeit regelmäßig Dividenden ausschütten. Das ist natürlich nur möglich, wenn ein Unternehmen schon über Jahre am Markt ist und stabile langfristige Umsätze erzielt.
  • Aber auch für Value Strategien kann das KUV eine wichtige Kennzahl sein. Bei Unternehmen mit einem niedrigen KUV ist es wahrscheinlicher, dass unterbewertete Aktien vorliegen, was es attraktiver für den Value Investor macht.
  • Für Growth Investoren, die vor allem auf Unternehmen mit hohem Zukunftspotenzial setzen, ist das KUV in der Regel nicht geeignet und im schlimmsten Fall sogar irreführend.

Große Unternehmen erzielen häufig in den ersten Jahren sehr geringe Umsätze, weil sie sich auf andere Geschäftsbereiche, wie Wachstum, Forschung oder Expansion, fokussieren.

Was ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis?

Wir haben in diesem Artikel bereits öfter erwähnt, dass es viele Kennzahlen zur Bewertung von Unternehmen gibt.

  • Der direkte Gegenspieler zum KUV ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder KGV.
  • Die Ermittlung des KGV funktioniert grundsätzlich genauso wie die des Kurs-Umsatz-Verhältnis, allerdings wird die Marktkapitalisierung hier nicht durch den Umsatz, sondern durch den erzielten Gewinn geteilt.

Wie das KUV selbst hat auch das KGV Vor- und Nachteile und eignet sich für einige Situationen besser als für andere. Das KGV ist ebenfalls besonders gut zur Bewertung von etablierten Unternehmen geeignet.

Diese Unternehmen haben in der Regel sowohl stabile Umsätze als auch stabile Gewinne und können über beide Methoden gut eingeschätzt werden.

Im Gegensatz zum KUV kann das KGV sogar einen negativen Wert annehmen. Insbesondere in der Wachstumsphase ist es nicht unüblich, dass Unternehmen mehr Geld ausgeben als sie einnehmen. Während der Umsatz natürlich immer positiv ist, kann der Gewinn in diesen Fällen sogar negativ ausfallen.

Daher ist das KGV, insbesondere für die Bewertung von Unternehmen mit hohen Zukunftsambitionen, nicht geeignet.

Im Gegensatz zum KUV ist das KGV dafür besonders gut geeignet, um die Rentabilität von Geschäftsmodellen zu bewerten. Unternehmen mit hohen Umsätzen, die aber über Jahre keine Gewinne erzielen, werden vom KGV erkannt und besser eingeschätzt als vom KUV alleine.


Fazit: Kurs-Umsatz-Verhältnis

Das KUV ist eine der bekanntesten und beliebtesten Bewertungsmethoden am Aktienmarkt.

Es setzt die Marktkapitalisierung eines börsennotierten Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Umsatz.

Ein hohes KUV von 1,5 oder mehr bedeutet, dass das Unternehmen, im Verhältnis zu seinem Umsatz, relativ hoch bewertet ist.

Ein KUV von unter eins entspricht einer niedrigen Bewertung. Das KUV kann nicht kleiner null sein, da es keine negativen Umsätze gibt. Insbesondere zur Bewertung von etablierten Unternehmen ist das KUV sehr gut geeignet.

Diese Unternehmen haben in der Regel stabile Geschäftsmodelle und der Unternehmenserfolg kann sehr gut am erzielten Umsatz je Aktie gemessen werden. Strategien, in denen das KUV als Bewertungsmethode eingesetzt werden kann, sind insbesondere die Dividendenstrategie, da diese auf langfristig erfolgreiche Unternehmen setzt und diverse Value Strategien.

Zur Bewertung von Startups oder jungen Unternehmen ist das KUV nicht gut geeignet, da diese häufig einen anderen Fokus haben und erst in der Zukunft große Umsätze erzielen werden. In keinem Fall sollte das KUV als einzige Bewertungsmethode für ein Unternehmen herangezogen werden. Es gibt eine Vielzahl an weiteren Daten, die den Wert eines Unternehmens definieren können. All diese Daten müssen auch immer in den Kontext des Marktes und der aktuellen Strategie des Unternehmens gesetzt werden.

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